Ich komme mir vor, als höre ich einen Dick und Doof Film.

Eine Autotüre wird aufgeschoben. Kindergeplapper. «Mama, …».
Ich drehe mich auf die Seite, auf der mein Wecker am Bett steht. Mit der Hand suche ich ihn und drücke oben auf die Taste. Das Licht geht an. Dieses Mal klappt eine Autotüre, als sie ins Schloss fällt.
Fünfuhrdreißig. Die Lichtquelle im Display meines Weckers erlischt langsam. 

«Mama!», höre ich wieder das kleine Kind mit der hellen, durchdringenden Stimme. Die Antwort der Mutter verstehe ich nicht. Ich gähne, drehe mich wieder auf die andere Seite, ziehe die Decke hoch und versuche, die letzte Schlafposition einzunehmen.

Die fahren bestimmt gleich in Urlaub, dachte ich, denn ich hatte den Vater gesehen, wie er gestern Koffer in den Wagen geladen hatte. Anschließend hat er das Auto mit der Heckklappe vor die Garage gestellt. Warum er das getan hat, hat sich mir nicht erschlossen. Diebstahlschutz konnte es nicht sein, denn das Auto hatte ein paar Türen mehr, durch die man es hätte ausräumen können. Schon die beiden Schiebetüren an den Seiten luden dazu ein. Schneller losfahren am Morgen war so ebenfalls nicht möglich. Sekundenzeitgewinn, wenn überhaupt. 

Ich gähnte und zog die Decke etwas höher. 

«Mama!», plärrte das Kleinkind.
Eine Autotüre wurde auf- oder zugezogen. Eine Männerstimme von weiter weg, unverständlich, aber die Frau reagierte mit einer undeutlichen Antwort. Dazwischen wieder das plärrende Kind. Autotüren, die geöffnet und geschlossen wurde. 

Was machen die da, überlegte ich. Wir sind häufig, als unsere Kinder klein waren, mitten in der Nacht losgefahren. Auch unser Auto war gepackt, aber wir sind dann eingestiegen, haben die Türen geschlossen und sind abgefahren. 

Ich seufzte, denn ich merkte, dass ich nicht mehr in den Schlaf finden würde.
Wieder drückte ich die Taste an meinen Wecker und das Licht im Display ging an.
Fünffünfzig.
Seit zwanzig Minuten hörte ich mittlerweile die Stimmen, das Geplärre des Kindes und die sich öffnenden und schließenden Autotüren. 

Ein Motor startete. Sie fahren los, dachte ich, endlich. Die Maschine wurde lauter und erstarb unter unserem Schlafzimmerfenster. Eine Türe öffnete sich und wurde mit Schmackes verschlossen.
Ein Auto näherte sich, rangierte und dann erstarb der Motor. Wieder eine Autotür, die sich öffnete und schloss. Abermals sah ich auf meinen Wecker.
Zehnnachsechs. 

Stimmen unter unserem Schlafzimmerfenster. Das plärrende Kind und die Mutter. Autotüren öffneten sich, wurden geschlossen. Der Motor wurde gestartet. Das Auto fuhr los und sein Motorengeräusch verlor sich in der Stille des frühen Morgens.

Mit Schlafen war es vorbei. Also wusch ich mich, zog mich an, aß mein Müsli und fuhr zur Tafel. 

«Was machen Sie denn schon hier? Es ist doch noch so früh!»
Ich verdrehte die Augen und erzählte von den Nachbarn, die in Urlaub fuhren.

1 Gedanke zu „Ich komme mir vor, als höre ich einen Dick und Doof Film.

  1. Diese galoppierende und skrupellose Rücksichtslosigkeit durchzieht breitflächig unsere übersättigte Wohlstandsgesellschaft. Mit E-Motoren wären zumindest die Geräusche der Verbrennungsmaschinen weg.

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