Dem Himmel nah!

Dem Himmel nah!

Die Meister beobachten die Welt,
vertrauen aber ihrer inneren Sehkraft.
Sie lassen die Dinge kommen und gehen.
Ihr Herz ist offen wie der Himmel.
– Laotse

Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein;
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!
– Johann Wolfgang von Goethe

Entspannung und Handeln

Gepard

Erfolgreiches Handeln erfordert Entspannung. Sie sollte sich aber nicht in einem „In-sich-Zusammenfallen“ von Körper oder Bewußtsein manifestieren, sondern eher der wachsamen Geschmeidigkeit einer Katze ähneln. Wachsame Geschmeidigkeit beinhaltet das für die jeweilige Situation erforderliche Maß an lebenspendender, als Tonus bezeichneter Spannung.

– Dennis Lewis

Sonnenstrahlen im Herbst

Herbstende

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

Raureif

Raureif

Raureif

Es kam zu uns ein stiller Herr,
der liebe Herr November.

War mancher da,
der lauter war,
den froher wir begrüßten.

Wir hatten ihm nichts zugetraut,
dem stillen Herrn November,
da zeigte sich,
er konnte was,
er konnte das Verzaubern.

Er machte jeden Halm, den Wald,
den Stacheldraht, die Zäune,
er machte uns
die ganze Welt
zu einem Raureif-Märchen.

– Josef Guggenmos

Die letzte Schönheit in diesem Jahr

Unkraut wächst in zwei Monaten, eine rote Rose braucht dafür ein ganzes Jahr.
– Dschalal ad-Din ar- Rumi

Alle Geburt ist Geburt aus Dunkel ans Licht; das Samenkorn muß in die Erde versenkt werden und in der Finsternis sterben, damit die schönere Lichtgestalt sich erhebe und am Sonnenstrahl sich entfalte.
– Friedrich Schelling

Verklärter Herbst

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluss hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht –
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

Georg Trakl (1887-1914)