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Abenteuer mit dem Fahrrad bei Winterwetter

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Abenteuer mit dem Fahrrad bei Winterwetter
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Der Winter hat uns fest im Griff. Als ich heute am frühen Morgen aus dem Fenster sah, erkannte ich einen dünnen weißen Film auf den Dächern gegenüber. Mein kontrollierender Blick auf die Straße zeigte eine schneefreie Fahrbahn und auf den Bürgersteigen, so sie noch nicht gefegt waren, ebenfalls einen weißen dünnen Film, wie ich ihn auf den Dächern gegenüber gesehen hatte.

Entscheidungsfindung

Dies ließ in mir während des Frühstücks und bei der zweiten Tasse Kaffee den Entschluss reifen, trotz der leichten Minusgrade mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Also, warm angezogen, auf den Fahrradhelm verzichtet, weil darunter nicht die dicke Mütze passt, die Fahrradtasche geschnappt und ab in den Keller, das Fahrrad geschnappt.

Bedenken verworfen

Kaum war ich aber auf der Zufahrt zum Hof, war die Schneedecke plötzlich dicker. Von oben aus dem Fenster konnte man das so nicht bemerken. Es handelte sich aber um Nassschnee (seltenes Wort, drei „s“ und zwei „e“). Es war nicht rutschig und ein kurzer Versuch ließ mich meinen beim Kaffee getroffenen Entschluss in die Tat umsetzen. Langsam in die Kurven – man weiß ja nie so genau, keine heftigen Lenkbewegungen und ein ganz vorsichtiger Umgang mit der Bremse sorgten dafür, dass ich innerlich beschwingt über die Tel-Aviv-Straße, den Karl-Berbuer-Platz Richtung dem ehemals Schiefen Turm von Köln (Sie erinnern sich vielleicht daran, dass im Rahmen der 2004 getätigten U-Bahn-Bauten der Nord-Süd-Verbindung der Kirchturm von Sankt Baptist umzufallen drohte), um dann an ihm vorbei den kleinen Radweg zur meiner Lieblingsbrücke, der Severinsbrücke zu nehmen, denn unter der Zufahrt gibt es einen kleinen, steilen Anstieg, der direkt zu Severinsbrücke führt. Dieser kleine Weg ist in den Karten, auch Karten für Radfahrer, nicht eingezeichnet. Der Anstieg wurde mühelos bewältigt, da die geringen Schneereste kein Hindernis waren, zumal auch Granulat die Griffigkeit der Fahrradreifen unterstützte.

Falsche Entscheidung

Kaum war ich allerdings da, wo morgens wohl immer ein Reinigungsfahrzeug seinen Dienst tut, war das vergnügliche Fahrrad fahren auch schon vorbei! Der Versuch, den Radweg auf der Severinsbrücke irgendwie befahrbar zu machen, war nicht von Erfolg gekrönt, sondern machte die Fahrt zu einem reinen Balanceakt. Ich schloss gedanklich Wetten mit mir ab, an welcher Stelle der Severinsbrücke ich wohl mit meiner Balancierfähigkeit die plötzlich auftretenden Kräfte der Längstrillen, die immer wieder von kreuzenden Rillen unterbrochen waren, nicht ausgleichen konnte.

Männlicher Stolz

Es versteht sich von selbst, dass ich es meiner männlichen Ehre nicht antun und absteigen konnte. Kapitulation ist nicht mein Ding!

Tapfer weiter und siehe da, bis zum Ende der Brücke, dort wo sich Rad- und Fußweg vereinen und in der Vereinigung immer schmaler werden, dort wo auch die Reinigungsmaschine noch zusätzlich und den Balanceakt erschwerenden Spuren in den Schnee gegraben hatte, die dann aber schon wieder vereist und somit besonders rutschig waren, musste ich auch noch einem Fußgänger ausweichen, der, wie Fußgänger so sind, immer das machen, womit ein Radfahrer nicht rechnen kann.

Erfahrungen mit Fußgängern

Gehen zum Beispiel drei Fußgänger auf einem kombinierten Fußgänger- und Radweg nebeneinander und man nähert sich dieser Gruppe von hinten, so kann man beobachten, dass ein Klingelzeichen zu folgender Reaktion führt: Der Fußgänger, der rechts gegangen ist, geht nach links; der Fußgänger,der in der Mitte gegangen ist, geht ebenfalls nach links und der Fußgänger, der links gegangen ist, geht nach rechts. Im Grunde hat sich nichts geändert. Alle drei Fußgänger gehen weiterhin nebeneinander auf dem Fuß- und Radweg. Sie haben nur die Plätze getauscht.

Das aber nur am Rande.

Balanceakt

Ich war also genau an der Stelle der Severinsbrücke, an der es recht steil nach unten geht, sich Fuß- und Radweg vereinen, der Reinigungswagen seine besonderen Spuren hinterlassen hat und ein Fußgänger, der plötzlich und ohne das ein erkennbarer Grund vorgelegen hätte, zwei Schritte nach links.

Es wird eng

Zu Ende mein Versuch mit geringen Lenkbewegungen und ganz, ganz vorsichtigen Bremsbetätigungen solche unvorhersehbaren Rutschmanöver zu vermeiden, deren richtungsgebenden Wirkung ich aufgrund der hinterlassen, inzwischen wieder vereisten Spuren nicht vorhersehen konnte. Es begann also eine – mir kam es selbstverständlich viel länger vor- kurze Zeit des Versuches, durch meine körpereigene Balancefähigkeit dem Sturz auszuweichen. Mal neigte ich mich nach rechts, während das Fahrrad sich nach links neigte und gleichzeitig die Richtung wechselte, dann wurde in Blitzesschnelle durch die Spurrillen die Richtung des Fahrrades geändert, was ich wiederum durch schnelle Gegenreaktionen mit der Verlagerung meines Körpergewichtes auszugleichen versuchte. Inzwischen hat der Fußgänger mitbekommen, dass es vielleicht doch an der Zeit wäre, einen Schritt zu Seite zu treten, um mir mehr Möglichkeiten und Bewegungsfreiheit zu geben, damit ich die sich immer in schneller Folgen ändernden Richtungsänderungen meines Fahrrades ausgleichen konnte.

Gedanken

Es schoss mir schon der Gedanke durch den Kopf: Siehst Du! Du wolltest ja nicht absteigen! DU musst mal wieder beweisen, dass Du das Fahrrad auch bei den Verhältnissen beherrscht! Jetzt gleich bekommst Du die Quittung, Du fällst auf die Schnauze! Richtig ist das, Du Blödmann!

Aber gerade, als ich diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte, hatte ich mich auch auf dem Fahrrad gefangen, war wieder im Gleichgewicht und die Fahrt konnte vorsichtig – die gerade überstandenen Ereignisse wirkten noch kurz nach – meine Fahrt fortsetzen.

Erstaunen

Ich staunte dann nicht schlecht, als ich sah, dass an den Poller Wiesen ein Räumfahrzeug den Weg unten am Rhein säuberte. Ein Weg, der im Sommer gerne wegen der Nähe zum Wasser genutzt wird, aber bei diesem Wetter eigentlich nicht, da spielt sich der Fuß- und Radverkehr auf dem Damm ab. Die oben neben dem Damm laufende Straße war nicht geräumt. Warum auch.

Benutzungspflicht

Grundsätzlich muss man Radwege, die nicht befahr sind, nicht benutzen. Ich hätte problemlos auf die perfekt geräumte Fahrbahn der Severinsbrücke ausweichen können, denn die gesetzliche Grundlage dafür war gegeben.

Erfahrungen

Allerdings habe ich damit so meine Schwierigkeiten, denn als ich vor ein paar Tagen nach Hause fuhr und von der Severinsstr. in eine kleine Straße Richtung Pantaleonsviertel einbog, hatte ich hinter mein Fahrzeug, das, obwohl es den Sicherheitsabstand von 1,5 m den der Fahrer beim Überholen einhalten muss, nicht gegeben war. Außerdem war die Straße verkehrsberuhigt. Drei schlafende Polizisten, so nennt man glaube ich, die Bodenwellen, die für eben diese Verkehrsberuhigung sorgen sollen, dazu Autofahrer zwangen, die Geschwindigkeit auf Schrittgeschwindigkeit zu reduzieren, während ich mit meinem Fahrrad daran mit unverminderter Geschwindigkeit vorbeifahren konnte.

Wer versteht Autofahrer?

Da ich, so zeigte mein Tacho an, eine Geschwindigkeit von gut 30 km/h fuhr, hatte der Autofahrer, der mich inzwischen durch Hupsignale an den äußersten Fahrbandrand zwingen wollte, keinen Vorteil, zumal die Ampel, der wir uns näherten, Rotlicht zeigte. Trotzdem: Hupen, Gas geben, Motor aufheulen, hupen und manchmal auch alles gleichzeitig.

Nicht sehr erfreulich, im Grunde Nötigung, die mich zu einer Anzeige berechtigt hätte, von der ich allerdings Abstand genommen habe.

Übertragung von Erfahrungaswerten auf andere Situation

Auf der Severinsbrücke werden allerdings bis kurz vor den Blitzer andere Geschwindigkeiten gefahren, die durchaus mal bei knapp oder auch gut 100 km/h liegen können. Da kein Autofahrer auf diesem Stück mit einem Radfahrer rechnet, habe ich den Radweg genommen, so, wie ich es oben beschrieben habe.

Was richtig ist!

Köln soll ja nun, so steht es im Koalitionsvertrag von Rot/Grün nicht mehr die autofreundliche Stadt sein, als die sie sich bisher immer gerne dargestellt hat. Schön wäre es deshalb, man würde jede Menge Radwege einfach zu Fußgängerwegen oder Parkflächen umfunktionieren und die Radfahrer grundsätzlich auf die Straße lassen. Wenn Autofahrer das wissen, stellen sie sich darauf ein. Wenn das die Regel ist, verhalten sie sich entsprechend und es wird für alle Verkehrsteilnehmer sicherer. Wenn das in Köln jetzt schon so wäre, hätte ich auch ruhigen Gewissens die Fahrbahn der Severinsbrücke mit meinem Fahrrad befahren. Unter den augenblicklichen Bedingungen war mir das allerdings viel zu gefährlich. Gefährlicher als der Radweg, den ich ohne Sturz überstanden habe. Ohne Sturz, weil mein Schutzengel wohl Akkord gearbeitet hat und ordentlich ins Schwitzen gekommen ist.

Danke, lieber Schutzengel!

Link

Der Schiefe Turm von Köln – Wikipedia

Severinsbrücke – Wikipedia

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