Das Römisch-Germanische Museum (RGM) soll ab voraussichtlich 2028 bis zu drei Jahre komplett schließen. So sieht es der Plan des Haushaltsbündnisses aus Grünen, CDU und SPD vor, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. Das Interim im Belgischen Haus soll ersatzlos entfallen, die Ersparnis beträgt 500.000 Euro Miete im Jahr. Der Stadtrat entscheidet am 12. November, eine Mehrheit gilt als sicher.
Eine Rechnung, die nicht zur Größenordnung passt
Bei geplanten Ausgaben von 7,15 Milliarden Euro im Jahr 2027 entsprechen 500.000 Euro rund 0,007 Prozent des Haushalts. Gleichzeitig schichtet das Bündnis jährlich 25 Millionen Euro um, also das Fünfzigfache. Auch gemessen an der Sanierung des Haupthauses, die mit 177 Millionen Euro veranschlagt ist, bleibt wenig übrig: Drei Jahre Miete machen weniger als ein Prozent dieser Summe aus.
Als Beitrag zur Konsolidierung eines Haushalts mit Defiziten von mehr als 800 Millionen Euro im Jahr taugt das nicht. Als Signal taugt es durchaus, nur eben als ein anderes, als vermutlich gemeint ist.
Wer eine Stimme hat
Das Geld, das umgeschichtet wird, kommt Initiativen und Verbänden zugute, die nach dem Verwaltungsentwurf leer ausgegangen wären. Das sind Akteure mit Mitgliedern, Rundmails und Ansprechpartnern in den Fraktionen. Ein geschlossenes Interim hat nichts davon. Es hat keine Besucher, die protestieren, und keine Lobby im Ratssaal.
Wer eine Gegenfinanzierung sucht, findet sie dort, wo der politische Preis am niedrigsten ist. Das setzt keine Absicht voraus, es genügt die Anreizstruktur. Dass es ausgerechnet das RGM trifft, ist weniger ein kulturpolitisches Urteil als ein Ergebnis der Frage, wer sich wehren kann.
Das Provisorium als Beweismittel
Als Begründung dienen die Besucherzahlen. Im Jahr der Schließung des Haupthauses kamen 193.200 Gäste, im vergangenen Jahr waren es 35.319. Das ist ein Argument, und es lässt sich nicht wegwischen. Es beschreibt aber zugleich das Ergebnis einer Standortentscheidung: eine deutlich kleinere Fläche, einen Kilometer vom Dom entfernt, ohne die Sichtbarkeit des Originals. Die schwache Resonanz des Provisoriums wird nun als Beleg dafür herangezogen, dass man es nicht braucht.
Neu ist die Konstellation nicht. Schon vor zwei Jahren wollte die Verwaltung das Interim wegen der Mietkosten aufgeben, damals mit einem Umzug ins Kulturzentrum Neumarkt. Das stieß bei Kulturpolitikern und Kulturförderern auf scharfe Kritik, die Stiftungsvorständin Carla Cugini warnte vor einem „katastrophalen Reputationsverlust“ für die Stadt. Die Pläne wurden zurückgezogen. Jetzt kehrt dieselbe Einsparung zurück, diesmal ohne Ersatz. Das Muster lautet: Provisorium, Terminversprechen, Verschiebung, und am Ende die Streichung des Provisoriums mit Verweis auf dessen schwache Zahlen.
Das Wallraf-Richartz-Museum als Vorbild
CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau verweist auf das Wallraf-Richartz-Museum, das nach knapp zweieinhalb Jahren Pause Ende 2028 wieder eröffnen soll, und folgert, ein Museum könne durchaus einmal ein Jahr geschlossen sein. Der Vergleich trägt nur halb. Beim WRM ist die Schließung an einen Bau mit absehbarem Ende gekoppelt. Beim RGM beruht „Ende 2030“ auf einer Annahme der Verwaltung, und wer Kölner Großsanierungen kennt, wird dem Datum mit Vorsicht begegnen.
Petelkau räumt zudem ein, dass der laufende Mietvertrag zu berücksichtigen sei, und spricht von Bemühungen, die Sanierung zu beschleunigen. Wie viel am Ende tatsächlich eingespart würde, bleibt damit offen. Sicher ist nur, dass die Sammlung für bis zu drei Jahre keinen festen Ort hätte.
Von der Weltstadt zur Provinzstadt
Köln versteht sich als Kunst- und Kulturmetropole von internationalem Rang. Die römische Geschichte der Stadt ist dabei kein beliebiges Thema unter vielen, sondern ein Teil ihrer Gründungserzählung, und das RGM ist das Haus, das sie zeigt. Es zu schließen, um eine Summe zu sparen, die im Haushalt kaum auffällt, sagt mehr über das Selbstverständnis der Stadt als jede Imagebroschüre.
Provinz beginnt nicht mit der Einwohnerzahl. Sie beginnt dort, wo ein Haus von internationalem Ruf als Posten von 500.000 Euro geführt wird, der sich schnell streichen lässt. Die Römer haben Köln gegründet. Die Stadt spart nun an der Erinnerung daran und nennt es Haushaltsdisziplin.