Helmpflicht statt Infrastruktur: Wie Versäumnisse individualisiert werden

Pünktlich zum Weltfahrradtag liefert eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL Deutschland den passenden Aufreger: 54 Prozent der Befragten wünschen sich eine allgemeine Helmpflicht für alle Radfahrer, weitere 12 Prozent zumindest eine Pflicht für E-Bikes. Die Schlagzeile schreibt sich von selbst, und die mediale Verwertungskette läuft an. Was dabei untergeht, ist die eigentliche Frage – und … Weiterlesen

Niemand zuständig: Satirischer Gesetzentwurf zur Verkehrspolitik

Zwei Meldungen aus dieser Woche, die rein zufällig unmittelbar nebeneinander stehen. Mittwoch, 20. Mai 2026. Das Bundeskabinett bringt unter Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Reform der Fahrausbildung auf den Weg. Die verpflichtenden Sonderfahrten werden von zwölf auf drei reduziert. Die Präsenzpflicht beim Theorieunterricht entfällt; asynchrones Online-Lernen wird ausdrücklich erlaubt. Übungsfahrten dürfen künftig auch mit „nahestehenden … Weiterlesen

Sülz: Wenn der Lkw „überrollt haben soll“ — über die Sprache von Polizeimeldungen

Am Freitagmorgen, 22. Mai 2026, hat in Köln-Sülz ein Kipplaster beim Rechtsabbiegen von der Berrenrather Straße auf die Militärringstraße eine 38-jährige Radfahrerin überrollt. Die Frau wurde schwer verletzt notoperiert. Der 64-jährige Fahrer erlitt einen Schock. So weit der Sachverhalt. Bemerkenswert ist die Sprache, in der die Polizei Köln diesen Vorgang öffentlich gemacht hat. Der LKW … Weiterlesen

Der billige Führerschein: Wenn Verkehrspolitik beim Schwächeren landet

Es gibt eine bestimmte Sorte verkehrspolitischer Reformen, bei denen das Versprechen so gut klingt, dass man die Nachfrage gar nicht mehr stellen mag, wer eigentlich am Ende dafür zahlt. Der Gesetzentwurf von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zur Reform der Fahrausbildung gehört in diese Kategorie. Der Führerschein soll günstiger werden – im Schnitt um mehrere hundert … Weiterlesen

Risiko nach Opportunität – Amokfahrt, Promillefahrer und die selektive Empörung

Risiko nach Opportunität Nach der Amokfahrt in Leipzig, bei der ein 33-jähriger Deutscher zwei Menschen tötete und sechs weitere verletzte, folgte die übliche Reflexbewegung: Artikel über Versäumnisse im Psychiatriesystem, Fragen nach vermeidbaren Risiken, Oktablocks vor der Fußgängerzone. Die Frage, die dabei nicht gestellt wird, ist die naheliegendste: Warum dieser Aufwand für ein statistisch seltenes Ereignis … Weiterlesen

868 Tote — und keine Folgen: Verkehrspolitik gegen die Schwächsten

Edo Reents hat in der FAZ nüchtern zusammengetragen, was in Deutschland niemand bestreitet, aber kaum jemand handelnd zur Kenntnis nimmt: 462 getötete Radfahrer und 406 getötete Fußgänger im Jahr 2025, zusammen 868 Tote unter denen, die Reents zutreffend „die Nackten“ nennt — Verkehrsteilnehmer ohne Knautschzone, ohne Airbag, ohne Rückenmassage. Bei Radfahrern ist das ein Plus … Weiterlesen

Führerschein im Alter: Was Deutschland von der Schweiz lernen könnte

In der Schweiz gilt seit Jahren eine klare Regelung: Wer älter als 70 ist, muss alle zwei Jahre eine ärztliche Untersuchung nachweisen, um den Führerschein zu behalten. Kein Punktesystem, kein bürokratischer Sonderweg — sondern eine schlichte medizinische Tatsache: Fahreignung ist keine lebenslange Eigenschaft, sondern eine, die sich verändert. In Deutschland ist das anders. Hier gilt … Weiterlesen

Blitzmarathon, Bleifuß und Marktlogik – warum die Politik die einfachste Lösung ignoriert

Einmal im Jahr im April, einmal im August: Die sogenannte Speedweek kommt so verlässlich wie die Jahreszeiten. Eine Woche lang wird verstärkt geblitzt, in manchen Bundesländern gibt es einen 24-stündigen Höhepunkttag, die Pressemitteilungen schreiben sich fast von selbst, und danach kehrt der Normalzustand zurück. Als hätte es die Speedweek nie gegeben. Das ist keine Verkehrspolitik. … Weiterlesen