Reform oder Kürzung? Wie ein Wort seine Bedeutung verlor

Am 10. Juli 2026 zieht die ZEIT eine Zwischenbilanz der Berliner Reformpolitik: Gesundheitsreform durch den Bundestag, Rentenreform auf dem Weg, Steuerreform ebenfalls, das Bürgergeld bereits abgeschafft. Vier Reformen an einem Tag, in einem Artikel. Es lohnt sich, das Wort selbst einmal stehen zu lassen und zu fragen, was es eigentlich noch bezeichnet. Ein Wort verliert … Weiterlesen

Merz und der Sozialleistungsmissbrauch: Der falsche Fokus

Auf dem CDU-Landesparteitag in Düsseldorf hat Bundeskanzler Friedrich Merz einen „Aktionsplan zur Bekämpfung des Sozialleistungsmissbrauchs“ angekündigt, der noch im Juli vorgelegt werden soll. Kritiker des Reformkurses schickte er zuvor mit den Worten „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker: Wegtreten!“ vom Platz. Ein Blick auf die Zahlen lohnt sich – er zeigt, wie groß das Missverhältnis … Weiterlesen

Rache als Programm: Koalitionsreform und AfD-Zulauf

„Bei mir kommt ein Bedürfnis nach Rache hinzu. Die anderen Parteien sollen spüren, wie das ist, was sie seit Jahren mit uns gemacht haben.“ Das sagt ein Parteifreund des thüringischen AfD-Bundestagsabgeordneten Torben Braga, anonym, kurz vor dem AfD-Parteitag in Erfurt, wie die ZEIT berichtet. Kein Wort über Steuerpolitik, Rentenreform oder Wirtschaftswachstum. Nur: Rache. Und genau … Weiterlesen

Pflegereform: Wenn Kinder für die falsche Wahl ihrer Eltern haften

Manuela Schwesig hat ein Wort gefunden. „Unmenschlich“ nennt die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern die Pflegepläne aus Berlin, und das Wort wirkt: Es empört, es markiert eine Haltung, es macht Schlagzeilen. Was es nicht tut: irgendetwas erklären. Empörung ist die billigste Währung der Politik. Sie kostet den, der sie ausgibt, nichts – und sie verdeckt zuverlässig die … Weiterlesen

Wer bestellt, bezahlt – aber nur das Neue: Warum die Finanzreform die Kommunen im Stich lässt

Wer bestellt, bezahlt – aber nur das Neue, nur zu 80 Prozent, und bitte unter der Schwelle bleiben Es gibt Sätze, die klingen nach Gerechtigkeit und meinen Buchhaltung. »Wer bestellt, bezahlt« ist so ein Satz. Bund und Länder haben sich am 25. Juni im Kanzleramt darauf geeinigt, und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sprach anschließend … Weiterlesen

Ebertplatz: Beton bewilligt, Klimaschutz vertagt – Kölns Rangordnung

Es gibt Wochenenden, an denen eine Stadt zeigt, was sie wirklich für wichtig hält. Köln hatte gerade so eines. Während die Polizei von rund 120 ungeklärten Todesfällen binnen drei Tagen berichtet — fast viermal so viele wie an einem durchschnittlichen Wochenende — und Bestatter, Rechtsmedizin und Kliniken an ihre Aufbewahrungsgrenzen stoßen, läuft am Ebertplatz eine … Weiterlesen

Was der Staat wirklich will: Geburtenappelle und der Sanierungsstau an den Schulen

Es vergeht derzeit kaum eine Woche, in der nicht irgendwo gefragt wird, was die Einzelne der Gesellschaft schuldet. Mal ist es die kinderlose Frau, die sich erklären soll. Mal die Mutter, die zu früh wieder arbeitet, oder zu spät. Mal die Familie insgesamt, die zu wenige Kinder in die Welt setzt, um Renten- und Pflegekasse … Weiterlesen

Motorik-Einbruch bei Kindern: Wenn Versäumnisse zur Krankheit erklärt werden

Es gibt Sätze, die klingen nach Diagnose und sind in Wahrheit eine Entlastung. „Vielleicht haben wir es hier mit einer Art sozialem Long Covid zu tun“ – so beschreibt die Karlsruher Sportwissenschaftlerin Claudia Niessner im Interview mit spektrum.de/ZEIT das Rätsel, vor dem ihre Disziplin gerade steht: Die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern ist nach der Pandemie … Weiterlesen

Wer vermisst die Medienkompetenz – und wer zahlt dafür?

Es gibt eine Gattung von Sätzen, die in deutschen Bildungsdebatten so verlässlich wiederkehren wie die Schwalben im Frühjahr. Einer davon lautet: „Studien zeigen, dass es um die Medienkompetenz schlecht bestellt ist.“ Selten fragt jemand zurück: Welche Studien eigentlich – und wer hat sie bezahlt? Wer dieser Frage nachgeht, stößt schnell auf einen Namen, der im … Weiterlesen

Finanznot der Kommunen: Wer trägt wirklich die Schuld?

Am Montag spielten die Glocken des Kölner Ratsturms „Wer soll das bezahlen?“ – Jupp Schmitz‘ Karnevalsschlager von 1949, umgewidmet zur Protestnote. Der Deutsche Städtetag hatte zum bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit!“ aufgerufen, und Köln stimmte mit ein: ein prognostiziertes Rekorddefizit der deutschen Kommunen von über 30 Milliarden Euro, in Köln ein Loch, das von 9,2 … Weiterlesen