Forensische Amnesie: Warum sich in Glostrup erinnert und in Mainz vergessen wird

Mainz/Glostrup. Eine bislang unbeachtete Korrelation aus der vergleichenden Strafprozessforschung wirft ein neues Licht auf die unterschiedlichen Erfolgsquoten bei der Verfolgung grenzüberschreitender Dividendensteuerdelikte. Während ein dänisches Gericht in Glostrup ab Juni 2026 über fünfzig Verhandlungstage gegen die Profiteure eines 150-Millionen-Euro-Betrugs terminiert hat, kommt das deutsche Pendant – der Geldwäscheverdacht gegen die Mainzer North Channel Bank – … Weiterlesen

Neurodiversität in der Schule: Zimpels richtiger Befund und seine Lücke

Der Hamburger Neurodiversitätsforscher André Frank Zimpel sagt in der ZEIT einen Satz, der wie eine Befreiung klingt: Das Problem sei nicht das ADHS, das Problem sei die Schule. Nicht das Kind ist defizitär, sondern die Institution, die nur ein Tempo, eine Methode, einen Lehrplan kennt. Die Pathologie sitzt im System, nicht im Nervensystem. Im Befund … Weiterlesen

Eifeltor und Bonner Nordbrücke: Zwei marode Brücken, ein Drehbuch

Am Montagabend, dem 15. Juni, ist auf der A4 kurz vor der Ausfahrt Klettenberg eine 22-jährige Frau aus Bonn gestorben. Ihr Wagen wurde im Stau von einem auffahrenden Autotransporter unter das Heck eines Sattelzugs geschoben. Die Polizei betont, der Unfall stehe in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Sperrung der maroden Eifeltor-Brücke. Das ist juristisch korrekt … Weiterlesen

Agrippabad Köln: Wiedereröffnung kaschiert den eigentlichen Sanierungsstau

Am 17. Juli 2026, pünktlich zum Ferienbeginn, öffnet das Agrippabad wieder. Nach gut sechs Monaten Schließung können die Kölnerinnen und Kölner zurück ins Sportbecken, an den denkmalgeschützten Sprungturm, in die Sauna. Eine gute Nachricht – aber eine, die man besser nicht zu laut feiern sollte. Denn das Bad ist nicht saniert. Es ist notdürftig wieder … Weiterlesen

Vom Krankenhaus zum Gesundheitszentrum: Warum Sprache wirkt

Wir haben Krankenhäuser. Krankenkassen. Krankenversicherungen. Krankenscheine, Krankschreibungen, Krankengeld, Krankenakten. Unsere gesamte Begriffswelt rund um die Gesundheit kreist um ein einziges Wort – und es ist nicht „Gesundheit“, sondern „Krankheit“. Der Mensch erscheint darin nicht als jemand, der gesund werden will und es im Kern auch kann, sondern als ein Fall, der zu reparieren ist. Das … Weiterlesen

Jochen Ott: 96 Prozent für einen lauten Konjunktiv

96,2 Prozent. Mit diesem Ergebnis hat die NRW-SPD am Samstag in einer Düsseldorfer Eventhalle Jochen Ott zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im kommenden Frühjahr gewählt. Minutenlanger Applaus, stehende Delegierte, ein Leitmotiv, das wie eine Befreiung klingen soll: „Wir haben verstanden. Wir sind wieder da.“ Im April hatte ich an dieser Stelle über eine andere Zahl … Weiterlesen

Erst wenn man es erklären muss, hat man es verstanden

Warum Weitergeben die beste Art des Lernens ist Es gibt einen Moment, den fast jeder kennt. Man glaubt, eine Sache verstanden zu haben – bis man sie jemandem erklären soll. Plötzlich stockt es. Man merkt, dass man zwar ein Gefühl für das Thema hatte, aber die Worte fehlen, die Reihenfolge stimmt nicht, und an manchen … Weiterlesen

Wann lernt man am besten? Warum Interesse mehr bewirkt als Zwang

Warum Interesse mehr bewirkt als jeder Zwang Man lernt nicht am besten, wenn man lernen muss. Das klingt zunächst verkehrt, denn die meisten von uns haben es genau andersherum gelernt: zu festen Zeiten, mit festem Stoff, ob man wollte oder nicht. Doch wer ehrlich auf sein eigenes Leben schaut, merkt schnell, dass das wenigste davon … Weiterlesen

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

Warum so viele Eltern heute zu viel wollen – und was Kindern wirklich hilft Eltern wollen heute alles richtig machen. Sie fördern, begleiten und kontrollieren ihre Kinder so viel wie nie zuvor. Ballett, Schwimmkurs, Englisch am Tablet – und das oft schon, bevor das Kind richtig sprechen kann. Dahinter steckt keine Gleichgültigkeit, im Gegenteil. Es … Weiterlesen

Wünsche statt Wohl: Der Riss zwischen Autonomieversprechen und Vollzugsrealität

Es gibt einen Reportagetypus, der zuverlässig funktioniert: Ein erfahrener Praktiker führt durch ein kaputtes System, und am Ende glaubt der Leser zu wissen, woran es liegt. Die ZEIT hat Ende Mai 2026 ein solches Stück über einen Berliner Berufsbetreuer gebracht – einen Mann, der täglich mit psychisch Kranken zu tun hat, von denen manche gefährlich … Weiterlesen