Social-Media-Verbot: Wenn der Staat die Erziehung übernimmt

Karin Prien hat am Mittwoch einen Satz gesagt, der harmloser klingt, als er ist. Sie halte eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren für die eigenständige Nutzung sozialer Medien „grundsätzlich für den richtigen Weg“. Was nach Jugendschutz klingt, ist im Kern eine Grenzverschiebung: Der Staat greift nach einer Entscheidung, die bislang am Küchentisch fiel. Bemerkenswert ist, … Weiterlesen

Ott und die Problemimmobilien: Wenn ein Landtagskandidat Kommunalwahlkampf führt

Jochen Ott hat ein Thema gefunden, das sich gut anfühlt. Vernachlässigte Hochhäuser in Chorweiler, Schimmel, ausgefallene Aufzüge, „renditegierige Eigentümer“ – und die Forderung, die Stadt müsse den Druck „massiv erhöhen“. In einem Interview des Kölner Stadt-Anzeigers (Printausgabe) verlangt der SPD-Politiker mehr Härte gegen Problemvermieter, ein Wiederbeleben der GAG-Kundenzentren, ein gestärktes Sozialmanagement. In der Sache ist … Weiterlesen

Vorschulpflicht: Wenn „mehr Lernen“ das eigentliche Problem verdeckt

Der ARD-Presseclub am 21. Juni 2026, eine Runde aus Bildungsjournalistinnen und -journalisten – Katrin Clemens von der WAZ mit Schwerpunkt frühkindliche Bildung, Martin Spiewak, seit über zwanzig Jahren Bildungsredakteur der Zeit, die Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker – und der Lehrer und Bestsellerautor Bob Blume. Über allem ein Titel, der die Antwort schon mitliefert: „Mehr Lernen, weniger … Weiterlesen

Wenn ein kollektives Versäumnis zur Einzelentscheidung wird

Es gibt Begriffe, die überleben ihre eigene Berechtigung. Hitzefrei ist so einer. Das Wort stammt aus einer Zeit, in der „nach Hause gehen“ wirklich Entlastung war: eine kühlere Wohnung, jemand, der da ist, ein schattiger Hof. Nichts davon gilt heute noch verlässlich – und trotzdem schicken wir Kinder weiter mit demselben Wort in dieselbe Hitze. … Weiterlesen

Soziales Faulenzen: Was die Effizienzlogik bei Teamarbeit übersieht

Aufgaben ans Team verteilen? Ein Fehler vieler Führungskräfte, warnt der Wirtschaftswissenschaftler Michael Busch in einem Interview mit der ZEIT. Gruppenarbeit führe zu „sozialem Faulenzen“, der Einzelne ducke sich im Schatten der anderen weg, das Ganze sei am Ende oft weniger als die Summe seiner Teile. Sein Rezept: so viel Einzelarbeit wie möglich, so viel Teamarbeit … Weiterlesen

Debitkarte für Grundschulkinder: Wenn Bequemlichkeit sich Bildung nennt

Bezahlen ist ein Tauschgeschäft. Ich will etwas und gebe dafür etwas her. So einfach ist das — und so schwer, denn das, was ich hergebe, ist längst nicht mehr greifbar. Früher tauschte man Ware gegen Ware, später Ware gegen Münze. Heute hält ein Kind ein Kästchen an die Kasse, und etwas verschwindet, das es nie … Weiterlesen

Digitale Souveränität: Warum Europa abschaltbar bleibt – von GPS bis KI

Exportverbote kennt man von Panzern, von Uranbrennstäben, von Halbleitern, die in Waffensystemen stecken. Am vergangenen Freitag hat die US-Regierung eines auf einen Computercode erlassen: auf die beiden neuesten KI-Modelle der kalifornischen Firma Anthropic. Ein unterschriebener Brief des Handelsministers, und der Zugang war weg – für Ausländer, faktisch für alle. Europa hatte zuvor noch über einen … Weiterlesen

Medienbildung an der Schule: Wie die KMK Verweigerung zur Stärkung umetikettiert

Es gibt einen Satz, der die ganze Erklärung trägt, und er klingt so harmlos wie eine Wettervorhersage: „Die problematische Mediennutzung findet überwiegend außerhalb der Schule statt.“ Wer das liest, nickt erst einmal. Stimmt ja. Und genau in diesem Nicken liegt der Trick. Die Bildungsministerkonferenz (BMK) hat eine Erklärung zum Umgang mit sozialen Medien im schulischen … Weiterlesen

Badeverbot am Rhein: Köln konnte das schon mal

Es ist heiß in Köln, jenseits der 30 Grad, und am Niehler Rheinufer stehen Menschen bis zu den Knien im Fluss. Der Kölner Stadt-Anzeiger schickt eine Reporterin mit zwei Ordnungsamts-Mitarbeiterinnen auf Streife und nennt das Stück „Wir retten die Leute vor ihrer eigenen Dummheit“. Der Satz steht in Anführungszeichen, stammt also von einer der Kontrolleurinnen … Weiterlesen

Parentifizierung: Wenn das Kind einspringt, wo die Institution ausfällt

Es gibt einen Begriff aus der Familienpsychologie, der in den letzten Jahren Konjunktur hat: Parentifizierung. Gemeint ist die Rollenumkehr, bei der ein Kind dauerhaft die Funktionen seiner Eltern übernimmt — praktisch, indem es einkauft, kocht, Geschwister versorgt, oder emotional, indem es zum Tröster, zur Vertrauten, zum Partnerersatz wird. Die Forschung nennt die emotionale Variante die … Weiterlesen