Noteninflation: Warum das System nicht reformiert wird

Ein aktuelles ZEIT-Interview mit drei anonymisierten Lehrkräften – einer Grundschullehrerin, einem Realschullehrer, einem Gymnasiallehrer – liefert ungewollt ein Geständnis: Noten messen immer weniger das, was sie zu messen vorgeben. Aufgabenstellungen werden so konstruiert, dass auch leistungsschwache Kinder Punkte sammeln können. Die „sonstige Mitarbeit“ wird nachträglich hochkorrigiert, wenn eine Versetzung knapp wird. Und der Anteil der … Weiterlesen

Dänische Erziehung: Warum wir nicht von Dänemark lernen

Es gibt ein Genre von Artikel, das man am Frühstückstisch liest und dabei zweimal nickt: einmal zustimmend, einmal abschließend. Der Text über die dänische Erziehung – im Original ein WELT-Interview, von Ippen Media verwertet, von der Frankfurter Rundschau übernommen – gehört dazu. Däninnen und Dänen reden mit ihren Kindern wie mit Erwachsenen, lassen sie frei … Weiterlesen

Quereinsteiger im Lehrerkollegium: Warum Qualifizierung allein nicht reicht

Der Anteil an Quer- und Seiteneinsteigern in deutschen Kollegien steigt, und die GEW sagt, es fehle an Zeit und Personal für Begleitung. Das stimmt vermutlich. Aber es verfehlt die eigentliche Pointe. Der Artikel der Frankfurter Rundschau ist in seiner Diagnose so solide wie erwartbar: Der Anteil der Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium hat sich laut nationalem Bildungsbericht … Weiterlesen

Was der Staat wirklich will: Geburtenappelle und der Sanierungsstau an den Schulen

Es vergeht derzeit kaum eine Woche, in der nicht irgendwo gefragt wird, was die Einzelne der Gesellschaft schuldet. Mal ist es die kinderlose Frau, die sich erklären soll. Mal die Mutter, die zu früh wieder arbeitet, oder zu spät. Mal die Familie insgesamt, die zu wenige Kinder in die Welt setzt, um Renten- und Pflegekasse … Weiterlesen

Motorik-Einbruch bei Kindern: Wenn Versäumnisse zur Krankheit erklärt werden

Es gibt Sätze, die klingen nach Diagnose und sind in Wahrheit eine Entlastung. „Vielleicht haben wir es hier mit einer Art sozialem Long Covid zu tun“ – so beschreibt die Karlsruher Sportwissenschaftlerin Claudia Niessner im Interview mit spektrum.de/ZEIT das Rätsel, vor dem ihre Disziplin gerade steht: Die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern ist nach der Pandemie … Weiterlesen

Wer vermisst die Medienkompetenz – und wer zahlt dafür?

Es gibt eine Gattung von Sätzen, die in deutschen Bildungsdebatten so verlässlich wiederkehren wie die Schwalben im Frühjahr. Einer davon lautet: „Studien zeigen, dass es um die Medienkompetenz schlecht bestellt ist.“ Selten fragt jemand zurück: Welche Studien eigentlich – und wer hat sie bezahlt? Wer dieser Frage nachgeht, stößt schnell auf einen Namen, der im … Weiterlesen

Vorschulpflicht: Wenn „mehr Lernen“ das eigentliche Problem verdeckt

Der ARD-Presseclub am 21. Juni 2026, eine Runde aus Bildungsjournalistinnen und -journalisten – Katrin Clemens von der WAZ mit Schwerpunkt frühkindliche Bildung, Martin Spiewak, seit über zwanzig Jahren Bildungsredakteur der Zeit, die Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker – und der Lehrer und Bestsellerautor Bob Blume. Über allem ein Titel, der die Antwort schon mitliefert: „Mehr Lernen, weniger … Weiterlesen

Medienbildung an der Schule: Wie die KMK Verweigerung zur Stärkung umetikettiert

Es gibt einen Satz, der die ganze Erklärung trägt, und er klingt so harmlos wie eine Wettervorhersage: „Die problematische Mediennutzung findet überwiegend außerhalb der Schule statt.“ Wer das liest, nickt erst einmal. Stimmt ja. Und genau in diesem Nicken liegt der Trick. Die Bildungsministerkonferenz (BMK) hat eine Erklärung zum Umgang mit sozialen Medien im schulischen … Weiterlesen

Köln Schulbau: Sparzwang als Quittung für Rekers Versäumnisse

Im Mai 2025 stand Henriette Reker vor dem neuen Gymnasium an der Brügelmannstraße in Deutz und ließ sich feiern. 558 Millionen Euro Schulinvestitionen allein in jenem Jahr, keine deutsche Millionenstadt stecke pro Kopf mehr Geld in ihre Schulen, der Schulbau habe seit 2015 „rasant an Fahrt aufgenommen“ (so die städtische Pressemitteilung). Zehn Jahre höchste Priorität, … Weiterlesen

Neurodiversität in der Schule: Zimpels richtiger Befund und seine Lücke

Der Hamburger Neurodiversitätsforscher André Frank Zimpel sagt in der ZEIT einen Satz, der wie eine Befreiung klingt: Das Problem sei nicht das ADHS, das Problem sei die Schule. Nicht das Kind ist defizitär, sondern die Institution, die nur ein Tempo, eine Methode, einen Lehrplan kennt. Die Pathologie sitzt im System, nicht im Nervensystem. Im Befund … Weiterlesen