„Hier kannst du es schwarz auf weiß lesen“ – dieser Satz galt lange als Beweis. Gedrucktes war gleichbedeutend mit Wahrem. Doch wer bestimmt eigentlich, was gedruckt wird? Und was bedeutet es, wenn heute jeder veröffentlichen kann, ohne Recherchepflicht, ohne Korrektiv? Dieser Text geht der Frage nach, wie Medien unsere Wahrnehmung formen – von der Tageszeitung bis zum Social-Media-Feed.
Hier kannst du es schwarz auf weiß lesen, hieß es mal. Und was man schwarz auf weiß lesen kann, muss wahr und richtig sein. Was dabei übersehen wurde: Es war meist eine Meinung, die schwarz auf weiß in der Zeitung stand. Schon die Auswahl eines Artikels oder eines Leserbriefs, der gedruckt wird, ist nicht neutral – sie spiegelt, selbst wenn Fakten aufgezählt werden, einen Schwerpunkt oder eine Haltung wider. Der Herausgeber einer Zeitung bestimmt den Schwerpunkt. Das konnte man vor einiger Zeit beim Kölner Stadt-Anzeiger beobachten, als auffällig viele Artikel zu Olympia in Köln auftauchten, die alle den gleichen positiven Tenor hatten. In der Kölnischen Rundschau dagegen gab es zum selben Thema nur eine kleine Meldung.
Freie Presse heißt also, dass jeder Verleger den eigenen Schwerpunkt setzen und so gezielt eine Lesergruppe ansprechen kann. Nicht verwerflich – denn die Vielfalt sorgt dafür, dass es lebendig bleibt.
Allerdings: Wenn man beobachtet, wie manche Themen gehypt werden und gleichzeitig in allen Zeitungen einen hohen Stellenwert erhalten, kommt einem schon der Verdacht, dass etwas anderes vertuscht werden soll. So abwegig ist dieser Gedanke nicht, wenn man bedenkt, dass wichtige politische Entscheidungen gerne dann getroffen werden, wenn die Massen durch ein Großereignis abgelenkt sind. Beispiele aus Deutschland gibt es durchaus: Während der Fußball-WM 2006 wurde die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte erhöht, während der WM 2010 stiegen die Krankenkassenbeiträge – und nebenbei liefen Verhandlungen über AKW-Laufzeiten und den Afghanistan-Einsatz. Während der EM 2012 schließlich wurde das sogenannte Meldegesetz verabschiedet, das den Verkauf von Meldedaten an Adresshändler erlaubte und kaum öffentliche Aufmerksamkeit bekam.
Ob das bewusste Taktik war oder schlicht der normale Parlamentskalender, lässt sich im Nachhinein nicht beweisen. Aber die Koinzidenz ist auffällig genug, um die Frage zu stellen – und genau das ist Medienkompetenz: nicht blind vertrauen, aber auch nicht blind misstrauen, sondern hinschauen.
Dazu kommt das Internet. Nun kann jeder seine Meinung kundtun, ohne dafür zu sorgen, dass eine saubere Recherche stattgefunden hat und das Veröffentlichte auf belegbare Fakten abgeklopft wurde. Schlimmer noch: Der Manipulation sind Tür und Tor geöffnet. Informationen werden als Fakten dargestellt, Fakenews werden gezielt zur Beeinflussung eingesetzt.
Häufig sind Social Media die einzigen Informationsquellen – obwohl sie bekannt sind für Manipulation und Falschmeldungen.
Was fehlt, ist eine Kultur des Zweifelns. Die kann man allerdings lange suchen, wenn man sich den Umgang Erwachsener mit Medien ansieht. Solange Erwachsene so unreflektiert mit Medien umgehen, wundert es nicht, dass Kinder es genauso tun. Da war es, als es nur Zeitungen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gab, doch recht einfach und stressfrei.