Olympiastadion Köln: Warum Vonovia als Partner auffällt

Ein Architekturbüro präsentiert die Idee eines Olympiastadions, das nach den Spielen zu Wohn- und Geschäftsflächen umgebaut wird. Die Inspiration: die Piazza dell’Anfiteatro in Lucca, entstanden aus den Resten eines römischen Amphitheaters. Die Botschaft: Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, keine „weißen Elefanten“ mehr. Wer könnte dagegen sein?

Im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger nennt der Architekt Herbert Elfers einen Partner, der die Finanzierung übernehmen könnte, ohne dass Land oder Bund einspringen müssen: die Vonovia. Deren Reaktion auf die Idee wird so wiedergegeben: Eigentlich müsse man ohnehin bauen, auch ohne Olympia.

Diese eine Formulierung sollte aufhorchen lassen. Denn sie beschreibt exakt die Logik eines börsennotierten Wohnungskonzerns, der unabhängig von sportlichen Großereignissen an neuen Beständen interessiert ist – und dem sich hier ein Grundstück mit fertiger Infrastruktur, öffentlicher Förderung der Standortentwicklung und einem Wohlwollen bietet, das ein gewöhnliches Neubauprojekt niemals genießen würde.

Ein Name mit Geschichte

Vonovia ist in der wohnungspolitischen Debatte kein neutraler Akteur. Der Konzern steht seit Jahren im Zentrum der Kritik von Mieterinitiativen: wegen Modernisierungsumlagen, die Bestandsmieten nach oben treiben, wegen einer Geschäftslogik, die auf Rendite für Aktionäre ausgelegt ist, und wegen einer Marktmacht, die in mehreren deutschen Großstädten dazu geführt hat, dass Kommunen ihr Vorkaufsrecht gezielt gegen Vonovia-Zukäufe eingesetzt haben. Der Name taucht in Debatten über Wohnraum meist als Beispiel dafür auf, wie es nicht laufen sollte.

Im Interview wird dieser Kontext mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen dient das Unternehmen als Beleg dafür, dass sich für das Konzept Investoren finden lassen – und implizit als Garant für „familientaugliche“ Wohnungen, die im Olympischen Dorf nach den Spielen entstehen sollen. Die Journalistin hakt an dieser Stelle nicht nach. Weder wird gefragt, in wessen Eigentum die Wohnungen langfristig verbleiben, noch, welche Mietpreisbindung – falls überhaupt vorgesehen – für den neuen Stadtteil Kreuzfeld gelten soll.

Nachhaltigkeit als Verpackung

Das architektonische Konzept selbst ist durchdacht: Wiederverwendung statt Abriss, Rückgriff auf ein historisches Vorbild, das über Jahrhunderte gewachsen ist, statt auf ein Reißbrett-Ideal. Genau diese Eleganz macht die Geschichte aber auch schwer angreifbar. Wer wollte schon etwas gegen Kreislaufwirtschaft und gegen die Vermeidung ungenutzter Sportstätten einwenden?

Nur verschiebt sich mit dieser Erzählung die eigentliche Frage. Es geht nicht mehr darum, ob und wie eine Stadt langfristig bezahlbaren Wohnraum schafft, sondern darum, ob ein Bauwerk elegant wiederverwertet wird. Die Verwertungslogik dahinter – wer am Ende Eigentümer ist, wer die Mieten festlegt, wer von der Wertsteigerung profitiert – bleibt außen vor. Ein börsennotierter Immobilienkonzern mit dokumentierter Präferenz für Rendite wird zum stillen Nutznießer eines Konzepts, das öffentlich als Beitrag zum Gemeinwohl verkauft wird.

Die Bewerbung läuft, die Fragen bleiben offen

Über die deutsche Ausrichterstadt für eine mögliche Olympia-Bewerbung entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund erst Ende September, über eine Vergabe durch das Internationale Olympische Komitee frühestens Mitte 2029. Bis dahin ist reichlich Zeit für wohlklingende Konzepte – und wenig Anlass, sich mit den Beteiligungsverhältnissen im Detail zu befassen, solange niemand danach fragt.

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