Ich schlief unruhig ein, irgendwo zwischen der dritten Wiederholung und der vierten Blitzrunde, und träumte, dass mich jemand fragte, was ich mir wünsche. Ich sagte: weniger. Und dann war es weg.
Kein ZDF mehr. Kein Studio, in dem seit dreißig Jahren jemand einer Rentnerin erklärt, ihre Emailkanne sei „ein echtes Schätzchen“, bevor ein Händler mit Cowboyhut sie unter Wert kauft. Keine Wiederholung der Wiederholung. Das Programm, das übrig blieb, wirkte plötzlich wie ein Zimmer, aus dem man den Trödel rausgetragen hatte – man sah die Wände wieder.
Auch der WDR war weg, und mit ihm die Hälfte der Moderatoren, die vormittags Quizfragen stellten und abends Bundesliga-Halbzeiten mit Taktikanalysen füllten, die niemand angefordert hatte. Neunzig Minuten Fußball dauerten im Traum tatsächlich neunzig Minuten. Danach: Stille. Kein Dampfplaudern, keine Elfmeter-Nachbetrachtung von einem Mann, der auch schon die Millionenshow moderiert hatte, das Sommerinterview, die Aftershow zur Aftershow.
Die Sportschau, die übrig blieb, zeigte Tore und ging dann wieder aus. Kein Experte erklärte mir, was ich gerade gesehen hatte, kein zweiter Experte widersprach dem ersten, kein dritter fasste zusammen, dass beide irgendwie recht hätten. Die achtzig Millionen Bundestrainer schliefen, zum ersten Mal seit Jahren, pünktlich ein.
Auch die Talkshows hatten sich im Traum abgesprochen. Nicht mehr drei Sender, drei Sofas, dieselben acht Gäste im Rotationsprinzip, dieselbe Frage in drei Tonlagen gestellt. Nur noch eine Sendung, dafür eine, die sich nicht traute, in der Werbepause – es gab wieder Werbepausen, das war das erste, was mich stutzig machen sollte – schon die nächste Ausgabe anzukündigen.
Ich lief durch ein Programmschema, das plötzlich Platz hatte. Dokumentationen, die nicht um 23 Uhr liefen, sondern dann, wenn jemand wach genug war, sie zu sehen. Ein Kulturmagazin, das nicht wirkte wie eine Pflichtübung zwischen zwei Krimis, sondern wie eine Entscheidung. Ein Sender, der sich traute, eine Lücke im Programm auch mal Lücke sein zu lassen, statt sie mit dem nächstbesten Wiederholungsblock zu verkleben.
Irgendwo, ganz am Rand des Traums, saß noch ein Händler mit Cowboyhut auf einem Sofa und wartete auf ein Angebot. Niemand kam. Er wartete weiter, geduldig, wie jemand, der noch nicht gehört hat, dass die Sendung abgesetzt wurde.
Dann klingelte irgendwo ein Handy, und eine Stimme sagte: „Herzlich willkommen zu Bares für Rares, heute mit einem ganz besonderen Stück.“
Ich wachte auf. Es war Dienstag. Es lief bereits die Wiederholung von gestern.