Dankbar sein reicht nicht
Jeder ist dankbar, wenn er zum Arzt kommt und ihm geholfen wird. Das ist gut so – Krankheit ist belastend, erst recht, wenn sie mit Schmerzen oder körperlichen Einschränkungen verbunden ist.
Was dabei meist im Verborgenen bleibt: Im Grunde findet nur eine Reparatur statt. Die Ursache bleibt unangetastet. Nichts gegen Reparaturen – sie lindern, sie entlasten, sie verhindern im Moment Schlimmeres. Aber sie lösen nicht, was gelöst werden müsste.
Das vertraute Muster
Man kann immer wieder zum Arzt gehen und reparieren lassen. Ein bisschen Mitgefühl bekommt man meist dazu, die Aufmunterung „wird schon wieder“, vielleicht noch Smalltalk im Wartezimmer. Man geht nach Hause in der Gewissheit, versorgt worden zu sein – manchmal mit Zwischenstopp an der Apotheke.
Ich kenne das gut. Ich hatte lange Zeit Probleme mit dem Rücken. Meist wurde mir geholfen. Und meist kam das nächste Mal.
Der Moment, der alles änderte
Dann kam der Moment, an dem ich das Ganze satt hatte. An dem ich dachte: Du musst selbst aktiv werden. Nach langem Kampf mit meinem inneren Schweinehund setzte ich mich aufs Fahrrad. Erst zögerlich, dann immer öfter. Die Strecken wurden länger, und mir ging es besser – körperlich durch die Anstrengung und den Gewichtsverlust, mental durch das Meditative, das den Kopf freiräumt.
Was beim Radfahren zu kurz kommt, ist das Muskeltraining – das passiert vor allem in den Beinen, Oberkörper und Rumpf bleiben außen vor. Also zusätzlich ins Fitnessstudio. Das Ergebnis nach einigen Jahren: über zwanzig Kilo weniger und ein Körper, dem man ansieht, dass er Muskeln hat. Fast sechzig Euro im Monat gebe ich dafür aus. Manchmal frage ich mich kurz, ob das sein muss. Die Antwort ist jedes Mal dieselbe: ja.
Das Perpetuum Mobile des Leidens
Die Alternative wäre gewesen: regelmäßig zum Orthopäden, Spritzen gegen die Schmerzen, Krankengymnastik auf Rezept. Beides wird eingestellt, sobald es besser geht – und kurz darauf beginnt das Prozedere von vorne. Ein Perpetuum Mobile, das niemals wirklich endet, weil es gar nicht enden soll.
Der scheinbare Vorteil dieses Modells: Es kostet mich nichts. Krankenkassenbeiträge zahle ich sowieso, der Arzt richtet es wieder, ich lehne mich zurück. Was dabei verdrängt wird: Reparaturen sind nicht unendlich möglich. Irgendwann ist Schluss – und dann kommen mehr Einschränkungen, mehr Abhängigkeit, mehr Leid. Und ganz nebenbei treiben dauernde Reparaturen an Millionen von Menschen die Beiträge in die Höhe. Das System behandelt Symptome, weil das sein Geschäftsmodell ist.
Die falsche Frage
Der innere Schweinehund ist stark. Aber er ist zum Teil nur so stark, weil wir mit dem falschen Ansatz an ihn herangehen. Die entscheidende Frage beim Arztbesuch müsste nicht lauten: Welches Medikament hilft jetzt? Sondern: Was kann ich tun, damit das nicht wiederkommt?
Das ist unbequem. Es verlangt Eigenverantwortung. Auf Dauer aber ist es effektiver – und führt zu einem Wohlbefinden, das sich ganz anders anfühlt als das bloße Fehlen von Schmerzen.
Ein kleiner Gedanke, der größer ist als er klingt
Was wäre, wenn wir unsere Krankenhäuser in Gesundheitszentren umbenennten? Nicht nur den Namen – sondern den Auftrag, den Ansatz, das Denken dahinter. Manchmal beginnt Veränderung damit, dass man die Dinge anders nennt. Und manchmal zieht das Handeln dem Namen nach.