Die Fifa will einen Teil ihrer WM-Vermarktung an Investoren verkaufen. Ein neues Tochterunternehmen namens FFE soll die kommerziellen Rechte an Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM bündeln, private Geldgeber sollen rund 20 Prozent der Anteile übernehmen, der Wert des Unternehmens wird zunächst mit 20 Milliarden Dollar veranschlagt. Ex-Fifa-Chef Joseph Blatter, Großbritanniens Premierminister Andy Burnham und die Uefa haben scharf reagiert: Der Fußball gehöre den Menschen auf den Rängen, nicht Investoren, heißt es unisono. Die Uefa plant eine Dringlichkeitssitzung.
Was in der Aufregung untergeht: Am anderen Ende dieser Verwertungskette steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland – und der zahlt längst mit, ohne dass ihn irgendjemand gefragt hätte, ob er das für richtig hält.
152 Millionen für eine Sublizenz
Für die Übertragung von 60 der 104 Partien der Männer-WM 2026 haben ARD und ZDF zusammen rund 152 Millionen Euro an die Deutsche Telekom gezahlt, je Sender etwa 76 Millionen Euro, brutto. Nicht an die Fifa direkt, sondern an einen Zwischenhändler: Die Telekom hatte sich sämtliche Übertragungsrechte für den deutschen Markt bereits 2025 von der Fifa gesichert und verkaufte ARD und ZDF anschließend eine Sublizenz für einen Teil der Spiele zurück. Über den ursprünglichen Preis, den die Telekom an die Fifa gezahlt hat, gibt es keine Angaben – Vertragsdetails, heißt es, seien vertraulich.
Schon bei dieser WM lief nur noch gut die Hälfte der Spiele frei empfangbar. Bei der WM 2022 in Katar waren es noch drei Viertel gewesen. Der Rundfunkbeitrag finanziert damit einen sinkenden Free-TV-Anteil zu einem gleichzeitig steigenden Preis.
2030: ARD und ZDF gehen leer aus
Wie wenig Verhandlungsmacht der ÖRR in dieser Kette hat, zeigte sich unmittelbar nach dem WM-Finale 2026. Noch während des Endspiels verkündete die Telekom, sich die Medienrechte an der WM 2030 gesichert zu haben – exklusiv, für alle 104 Spiele. ARD und ZDF, die im selben Vergabeverfahren mitgeboten hatten, gingen komplett leer aus. Frei empfangbar bleibt 2030 nur noch das gesetzliche Minimum: Der Medienstaatsvertrag verpflichtet über seine Schutzliste für Großereignisse zur Free-TV-Übertragung von Spielen mit deutscher Beteiligung, Eröffnungsspiel, Halbfinals und Finale. Alles andere ist Sache eines Bezahlanbieters.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist damit nicht mehr Verhandlungspartner auf Augenhöhe, sondern bestenfalls noch Bittsteller um gesetzlich erzwungene Restspiele.
Zwei Ebenen derselben Logik
Der Fifa-Investorendeal und die deutsche Rechtevergabe sind formal getrennte Vorgänge. In der Sache gehören sie zusammen. Auf der obersten Ebene verkauft der Weltverband Anteile an seiner eigenen Vermarktung an private Geldgeber – mit, wie Blatter andeutet, Verbindungen ins Umfeld der US-Regierung. Auf der nächsten Ebene kauft ein Telekommunikationskonzern nationale Exklusivrechte und reicht sie, wenn überhaupt, gegen Aufpreis an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter. Am Ende jeder Kette steht derselbe Zahler: die Beitragszahlerin, der Beitragszahler, der für ein öffentliches Gut bezahlt, dessen Zugang zu ihm auf jeder Stufe neu verknappt und neu bepreist wird.
Entschieden wird das alles an Orten, an denen weder Fans noch Beitragszahler eine Stimme haben – im Fifa-Rat, in Investorenkreisen, in Konzernzentralen. Was öffentlich verhandelt wird, ist am Ende nur noch die Frage, ob der Rundfunkbeitrag im nächsten Jahr steigt. Die eigentliche Entscheidung, wie viel von einem globalen Gemeingut noch öffentlich zugänglich bleibt, ist da längst gefallen – ohne dass jemand sie als das benannt hätte, was sie ist: eine schrittweise Privatisierung dessen, was einmal als Sache aller galt.