Ehrensenatorin Reker: Wenn die Uni Köln Ämter ehrt

Die Universität zu Köln hat die frühere Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur Ehrensenatorin ernannt, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. Begründet wird das vor allem mit ihrem Engagement in der Corona-Pandemie. Belegt wird es mit einer Funktion: Reker saß damals im Aufsichtsrat der Kliniken der Stadt Köln und stand dadurch im engen Austausch mit der Medizinischen Fakultät. Ein Amt ist jedoch noch keine Leistung. Welchen konkreten Beitrag sie etwa zur Gründung des Instituts für Öffentliches Gesundheitswesen im Jahr 2024 geleistet hat, bleibt eine Auskunft der Uni-Sprecherin ohne Beleg.

Die Würde folgt dem Amt

Was die Uni unter einem Ehrensenator versteht, sagt sie selbst: Die Würde kann verliehen werden, wenn die zu ehrende Person eine „der Universität besonders verbundene Persönlichkeit des öffentlichen Lebens“ ist. Verbundenheit ist eine Beziehungskategorie, keine Leistungskategorie. Die Liste der Geehrten liest sich entsprechend: ein Oberbürgermeister (Fritz Schramma, 2011), ein Bankier (Alfred Freiherr von Oppenheim, 2004), ein ehemaliger Rektor (Axel Freimuth) und nun Reker. Seit 1919 gab es 48 solcher Ehrungen, selten genug, dass jede einzelne etwas über die Verleiher aussagt.

Markus Greitemann, 2019 geehrt, war zuvor Baudezernent der Universität. Ausgezeichnet wurde er jedoch, als er bereits Beigeordneter der Stadt war, zuständig für Planen und Bauen und damit auch für die Sanierung der Bühnen am Offenbachplatz, die sich über Jahre verzögerte. Die Uni ehrte also, während in der Stadt über die Baustelle gestritten wurde. Das ist kein Vorwurf an die Person, sondern eine Beobachtung zum Verfahren: Geehrt wird, wer für die Institution gerade eine Rolle spielt.

Ein Muster mit Vorgeschichte

2020 veröffentlichte die Universität eine Liste von zehn Ehrensenatoren, von denen sie sich distanziert, weil die Geehrten in das NS-Regime verstrickt waren. Genannt wird etwa Generalkonsul Kurt Freiherr von Schröder, 1942 ausgezeichnet. Ein Vergleich in der Sache verbietet sich. Bemerkenswert ist allein die Struktur: Auch damals richtete sich die Würdigung nach Stellung und Einfluss, und die Bewertung musste später revidiert werden. Wer Ehrungen an Funktionen koppelt, koppelt sie an deren Zeitgeist.

Verfahren statt Person

Reker folgt mit der Annahme dem üblichen Verfahren, und das Verfahren ist der eigentliche Gegenstand. Dass Ehrensenatswürden Förderer und Unterstützer an eine Hochschule binden sollen, ist nicht anrüchig, sondern ihr traditioneller Zweck. Schwach ist eher die Selbstbeschreibung: Der Rektor lobt ihren Einsatz für ein weltoffenes, tolerantes und liberales Köln und die Unterstützung der Universität durch die Stadt, benennt aber nicht, dass hier ein Gegenseitigkeitsverhältnis gepflegt wird. Die Zeitung reicht die Mitteilung im Wesentlichen weiter, ohne nach dem Corona-Beitrag zu fragen, der die Ehrung tragen soll.

Man könnte meinen, an einer gewissen Prominenz könnte man Auszeichnungen nicht mehr entgehen.

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