Die Stadt Köln bestätigt, dass der Bau des Miqua wieder teurer wird als die zuletzt kommunizierten 190 Millionen Euro. Wie viel teurer, sagt sie nicht – berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger unter Berufung auf eigene Informationen von bis zu 230 Millionen Euro, ein Plus von rund 21 Prozent gegenüber dem zuletzt gültigen Budget. Auf Anfrage wollte die Verwaltung die konkrete Summe nicht bestätigen, räumte aber ein, dass „nach derzeitigem Stand mit Mehrkosten zu rechnen“ sei. Die Höhe werde derzeit „verwaltungsintern geprüft“.
Diese Formulierung ist der eigentliche Befund. Nicht die Zahl selbst, so hoch sie ist, sondern der Umstand, dass sie geprüft, offenbar auch verhandelt und terminiert wird, bevor sie den politischen Gremien vorgelegt wird. Genau dieses Verfahren hat sich bereits bei der vorletzten Kostensteigerung gezeigt: Im Rathaus kursierte damals eine Summe von bis zu 200 Millionen Euro, kommuniziert wurden am Ende 190 Millionen. Der Rat entscheidet damit nicht über den tatsächlichen Kostenstand, sondern über eine Zahl, die die Verwaltung zuvor redigiert hat.
Eine Kalkulation, die nie gehalten hat
Der Blick auf die Beschlussgrundlage von 2010 macht deutlich, wie weit sich das Projekt von seinem Ausgangspunkt entfernt hat. Der Rat fasste den Baubeschluss auf Basis von 48 Millionen Euro, nach einer Neuberechnung 2011 lag die Zahl bei knapp 52 Millionen Euro. Der Bund der Steuerzahler NRW dokumentiert die weitere Entwicklung: 95 Millionen Euro im Schwarzbuch 2020/21, 127 Millionen Euro im Jahr 2021, zuletzt 190 Millionen Euro – und warnte bereits seit 2017 vor den unkalkulierbaren finanziellen Risiken des Projekts. Mit den jetzt kolportierten 230 Millionen Euro liegt das Projekt beim knapp Fünffachen dessen, was der Rat einst beschlossen hat.
Auch die Förderlogik verschärft das Problem, statt es abzufedern. Vorgesehen war einmal ein städtischer Eigenanteil von 28,8 Millionen Euro bei einer Landesförderung, die inzwischen bei 33,7 Millionen Euro gedeckelt ist. Jede weitere Kostensteigerung geht seither vollständig zulasten der Stadt – ein Konstruktionsfehler der ursprünglichen Finanzierungsvereinbarung, der sich mit jeder neuen Zahl schmerzhafter auswirkt.
Wer trägt die Verantwortung?
Der damalige Baudezernent Markus Greitemann hatte erst vor wenigen Monaten öffentlich betont, das Budget von 190 Millionen Euro müsse reichen. Wenige Monate später reicht es nicht. Eine Prognose dieser Tragweite, die derart schnell widerlegt wird, bliebe in den meisten Organisationen nicht folgenlos. In der Kölner Stadtverwaltung ist bislang nichts davon zu erkennen, dass falsche Kostenprognosen bei Großprojekten irgendeine personelle Konsequenz nach sich ziehen – weder beim Miqua noch bei vergleichbaren Fällen wie der Bühnensanierung.
Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt, zu dem die neue Zahl bekannt wird: mitten in der Aufstellung des Haushalts für 2027 und 2028, in dem die Stadt an anderer Stelle hart spart. Den rund 4800 Beamten wurde der jährliche Bonus gestrichen, um 5 Millionen Euro pro Jahr einzusparen – eine Summe, die von der jetzt zusätzlich anfallenden Kostensteigerung um ein Vielfaches übertroffen wird. Gleichzeitig wuchs der Verlust der Stadt im vergangenen Jahr um 106 Millionen Euro auf 594,8 Millionen Euro.
Diese Gleichzeitigkeit wirft die Frage auf, wer in Köln eigentlich über Prioritäten entscheidet. Formal ist es der Rat. Faktisch entscheidet er nur über das, was ihm vorgelegt wird – und wann. Wenn die Verwaltung Zahlen zurückhält, bis sie politisch möglichst unangreifbar sind, verschiebt sich die eigentliche Entscheidungsmacht dorthin, wo die Zahlen verwaltet werden, nicht dorthin, wo formal über sie abgestimmt wird.
Ein Muster, kein Ausrutscher
Das Miqua ist inzwischen zu großen Teilen Rohbau, die Archäologische Zone freigelegt und dokumentiert. Ein Baustopp würde nicht nur die bisherigen Investitionen entwerten, sondern auch freigelegte römische und jüdische Fundstätten der Witterung aussetzen – anders als etwa bei der Kölner Oper, wo eine Unterbrechung technisch möglich wäre, ohne die Substanz zu gefährden. Insofern trägt der Vergleich nur bedingt. Was aber sehr wohl trägt, ist der Befund, dass sich bei beiden Projekten dasselbe Verwaltungsverhalten zeigt: Umplanung, Verzögerung, verspätete und verwaltungsintern zurechtgestutzte Kostenkommunikation – wiederholt über Jahre, ohne dass sich am Verfahren etwas ändert.
Nach aktuellem Zeitplan soll der Bau Ende Juni 2028 fertiggestellt sein, nach vierzehn Jahren Bauzeit und mindestens dem Vierfachen der ursprünglich beschlossenen Kosten. Die eigentliche Frage, die am Ende offenbleibt, ist nicht, ob das Museum irgendwann eröffnet. Es ist, ob eine Verwaltung, deren Kostenprognosen sich seit 2010 nie als belastbar erwiesen haben, beim nächsten Großprojekt anders behandelt wird als bei diesem.