Kölner Zoo: 67 Prozent teurer – und das Wetter wird zum Familienrisiko

Der Kölner Zoo hat seine Eintrittspreise seit 2022 in zwei Schritten kräftig erhöht. Wer heute spontan an die Tageskasse tritt, zahlt für ein Erwachsenenticket 29,50 Euro statt früher 19,50 Euro — ein Plus von rund 51 Prozent. Beim Kinderticket fällt der Sprung noch deutlicher aus: von 9 auf 15 Euro, also rund 67 Prozent. Eine Familie mit zwei Kindern landet damit, ohne Anfahrt, ohne Eis, ohne Pommes, schnell bei rund 90 Euro nur für den Eintritt.

Parallel dazu wird ein dynamisches Preismodell eingeführt, ähnlich wie bei Fluggesellschaften. Wer früh online bucht, bekommt das Erwachsenenticket für 22,50 Euro. Der konkrete Preis hängt aber nicht nur vom Buchungszeitpunkt ab, sondern auch von Auslastung und Wetterprognose. Der Zoo nennt das verbraucherfreundlich. Es ist das Gegenteil.

Wetterrisiko, an die Familie weitergereicht

Dynamische Preise verschieben Planungslast und Risiko vom Anbieter zum Kunden. Wer zwei Wochen vorher das günstige Ticket sichern will, wettet auf Sonnenschein. Bleibt der Tag verregnet, hat man die Wahl: ein verfallenes Ticket akzeptieren oder mit kleinen Kindern bei Regen durch den Zoo laufen. Beides ist keine Lösung. Beides ist die alte Logik des „selber schuld, hättest du flexibler sein müssen“.

Spontaneität, die ein Familienleben prägt — am Samstagmorgen aufwachen, schönes Wetter, raus in den Zoo — wird genau dadurch bestraft. Der Spontanbesucher zahlt den Höchstpreis. Wer Schichtarbeit macht, kurzfristig Zeit findet oder einfach nicht jeden freien Tag durchplanen kann, ist der Verlierer dieses Modells.

„Kundenverträglich“ als PR-Vokabel

Im Geschäftsbericht hatte der Zoo die Erhöhung „kundenverträglich“ angekündigt. Plus 51 und plus 67 Prozent in vier Jahren passen nicht in denselben Satz wie das Wort „kundenverträglich“. Das ist Marketingsprache, mit der eine deutliche Belastung weichgespült werden soll. Solche Sprachregelungen verdienen die Aufmerksamkeit, die ein Medienpädagoge ihnen ohnehin schenken sollte: Wer dauernd „kundenfreundlich“ sagt, meint meist das Gegenteil.

Der Zuschuss als politische Entscheidung

Ein gern gehörtes Argument lautet: Der städtische Zuschuss von zuletzt 3,3 Millionen Euro stamme ja auch vom Steuerzahler — also sei es im Grunde dasselbe, ob man über Steuern oder Eintritt zahle. Stimmt rechnerisch, ist aber irreführend. Steuerfinanzierung verteilt die Last auf alle Schultern, nach Leistungsfähigkeit. Eintrittsfinanzierung verteilt sie auf die Besucherfamilien, unabhängig vom Einkommen. Das ist keine neutrale Verschiebung. Das ist eine politische Entscheidung darüber, wer einen städtischen Bildungs- und Erholungsort bezahlt — und wer ihn sich noch leisten kann.

Steigende Kosten, stagnierende Einkommen

Die Preiserhöhung trifft auf ein Umfeld, in dem Mieten, Energie und Lebensmittel ohnehin Druck auf die Haushaltsbudgets ausüben. Allein Mietsteigerungen reichen in vielen Kölner Stadtteilen inzwischen aus, um das verfügbare Familienbudget spürbar zu verengen. Die Einkommen wachsen längst nicht im gleichen Tempo. Wenn dann auch noch ein städtischer Freizeit- und Bildungsort bei den Eintrittspreisen kräftig nachlegt, summieren sich kleine Posten zu einer großen Verengung dessen, was Familien sich noch leisten können.

Selbstausschluss statt offener Türen

Die eigentliche Folge solcher Preismodelle steht selten in den Kommentarspalten: Sie heißt Selbstausschluss. Familien mit knappem Budget gehen gar nicht erst hin, weil sie das Rechnen an der Kasse, das Aussortieren von Wünschen, die Frage nach dem Eis vermeiden wollen. Der Zoo wird damit ein Stück bürgerlicher und verliert genau jene soziale Mischung, die ihn als städtische Einrichtung historisch gerechtfertigt hat. Wer keinen Zugang zur Natur über den eigenen Garten oder die Wochenendreise hat, für den war der Zoo ein niedrigschwelliges Angebot. War.

Eine persönliche Konsequenz

Ich werde den Kölner Zoo vorerst nicht mehr besuchen, obwohl ich es mir leisten könnte. Stattdessen fahre ich nach Wuppertal. Der Grüne Zoo liegt in einem alten Hangpark, ist landschaftlich reizvoller, und Kinder zahlen dort bis einschließlich 14 Jahren keinen Eintritt — das genaue Gegenmodell zu dem, was Köln gerade einführt. Die Anreise mit der Schwebebahn macht aus dem Tag noch einmal ein eigenes Erlebnis.

Es ist ein kleines Signal, mehr nicht. Aber genau diese kleinen Signale sind es, mit denen Stammbesucher Auskunft darüber geben, ob ein Preismodell aufgeht oder einen Vertrauensschaden hinterlässt.

Schreibe einen Kommentar