Kölner Rheinuferpromenade: Stillstand mit Methode

Es könnte eine neue olympische Disziplin geben. Austragungsort: die Kölner Rheinuferpromenade zwischen Schokoladenmuseum und Hohenzollernbrücke. Gewertet wird, wer es schafft, auf engstem Raum Fußgänger, E-Bikes, Rennräder, Rikschas und E-Scooter gleichzeitig zu navigieren, ohne Nervenzusammenbruch oder Kollision. Trainingsmöglichkeiten bestehen täglich, bei gutem Wetter auch stündlich.

Der Witz wäre zum Lachen, wenn die Realität nicht so ernüchternd wäre. Denn was der Kölner Stadt-Anzeiger dieser Tage beschreibt — überfüllte Promenade, Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr, keine Lösung in Sicht, Rheinufertunnel weiterhin gesperrt für Räder — ist kein neues Problem. Es ist ein altes Problem. Ein sehr altes Problem.

Stillstand mit Methode

Seit Jahren, genauer gesagt seit mehr als einem Jahrzehnt, wiederholt sich auf der Rheinuferpromenade dasselbe Schauspiel: Im Frühjahr lockt die Sonne die Menschen ans Wasser, Touristen strömen von den Kreuzfahrtschiffen, Radfahrer suchen ihren Weg durch die Menge, Fußgänger weichen aus — oder weichen nicht aus —, und irgendwer schreibt einen Artikel darüber. Dann kommt der Winter, und das Thema ruht. Bis zum nächsten Frühling.

Die Forderungen bleiben dabei bemerkenswert konstant: klare Trennung von Rad- und Fußverkehr, Öffnung des Rheinufertunnels für Radfahrer, ein dauerhafter Radstreifen zwischen Schokoladenmuseum und Tunnel. Ebenso konstant: das Ausbleiben von Ergebnissen.

Pläne hat die Stadt durchaus vorgelegt. Ein temporärer Zweirichtungs-Radweg wurde gebaut — und im November 2025 wieder abgebaut, weil die monatlichen Betriebskosten von 3.775 Euro angesichts der Haushaltslage zu hoch erschienen. Ein dauerhafter Radstreifen war geplant, Kostenpunkt 1,6 Millionen Euro — kurz vor der Kommunalwahl vertagte der Stadtrat die Entscheidung. Das Rechnungsprüfungsamt hatte Einwände. Der Tunnel bleibt zu, weil Sicherheitsvorschriften eine Nutzung durch Radfahrer verhindern — und eine Generalsanierung, die das ändern könnte, keinen Zeitplan hat.

Man könnte das als bürokratisches Pech deuten. Oder als das, was es strukturell ist: verwalteter Stillstand.

Köln und seine Infrastruktur

Wer Köln kennt, wundert sich nicht. Die Stadt hat eine ausgeprägte Begabung dafür, Probleme zu benennen, Konzepte zu beschließen und Lösungen auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Das Radverkehrskonzept Innenstadt sieht den Tunnel ausdrücklich als Lösung vor — nur eben ohne konkreten Umsetzungshorizont. Das ist kein Versehen, das ist Methode.

Dabei ist die Interessenlage eigentlich klar. Fußgänger brauchen Platz. Radfahrer — ob Pendler oder Touristen — brauchen eine sichere Route. Die Promenade kann beides nicht gleichzeitig leisten, solange es keine Ausweichmöglichkeit gibt. Der ADFC hat das erkannt, Fuss e.V. hat das erkannt, Anwohner haben das erkannt. Die Stadt hat es auch erkannt — und handelt nicht.

Immerhin: Die Bimmelbahn, die früher ihren Teil zum Chaos beitrug, fährt heute nicht mehr über die Promenade. Das ist der einzige belegbare Fortschritt in dieser Angelegenheit seit Jahren. Wobei: Das Grundproblem blieb davon vollständig unberührt.

Was fehlt, ist politischer Wille

Es fehlt nicht an Ideen. Der ADFC hat bereits 2019 einen Hochradweg ins Gespräch gebracht. Es fehlt nicht an Konzepten — die liegen in Schubladen. Was fehlt, ist der politische Wille, eine unbequeme Entscheidung zu treffen: Wem gehört dieser Raum? Wer hat Vorrang?

Solange diese Frage nicht beantwortet wird, bleibt die Rheinuferpromenade das, was sie ist: ein täglich neu improvisierter Kompromiss, der niemanden zufriedenstellt und alle gefährdet. Touristen schütteln den Kopf, Rollatorfahrerinnen ärgern sich, Pendler weichen über die Altstadt aus.

Und im nächsten Frühling schreibt jemand wieder einen Artikel darüber.

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