Schutzstreifen Köln: Farbe auf der Straße, kein Schutz

Eine gestrichelte Linie auf dem Asphalt kostet wenig und sieht nach Verkehrswende aus. Wer wissen will, was sie leistet, muss nicht weit fahren: Im Kölner Süden, etwa auf der Hauptstraße in Rodenkirchen, sind Radstreifen aufgemalt worden, die auf dem Plan nach Infrastruktur aussehen und auf der Straße nach einem Angebot, das niemand sicher nutzen kann.

Was die Linie verspricht und was sie regelt

Zwei Markierungen werden im Alltag gern verwechselt. Der Schutzstreifen ist durch eine gestrichelte Linie vom Rest der Fahrbahn getrennt und darf von Kraftfahrzeugen bei Bedarf überfahren werden, sofern der Radverkehr dabei nicht gefährdet wird. Der Radfahrstreifen hat eine durchgezogene Linie, und die Fahrbahn der Autos endet an ihr.

Aus beidem leiten viele Autofahrer ab, bis an die Linie heranfahren zu dürfen. Das ist ein Irrtum. Der Mindestabstand von eineinhalb Metern beim Überholen innerorts gilt unabhängig davon, ob ein Radfahrer auf einem Schutzstreifen, einem Radfahrstreifen oder der Fahrbahn unterwegs ist. Die Markierung sagt, wo Radverkehr vorgesehen ist, sie hebt keine Abstandsregel auf.

Das Dilemma liegt in der Geometrie. Ein Schutzstreifen ist üblicherweise nur so breit, dass ein Radfahrer darauf Platz findet, nicht aber so breit, dass ein Auto in eineinhalb Metern Abstand daran vorbeikäme, ohne die Linie zu berühren. Wer den Abstand einhält, muss also teilweise auf dem Streifen fahren, den die Markierung angeblich freihält. Die Regel und die Farbe auf der Straße widersprechen einander, und eine der beiden Seiten verliert immer.

Der Streifen im Aufklappbereich

Hinzu kommt die Lage zu parkenden Fahrzeugen. Viele der aufgemalten Streifen verlaufen so nah an parkenden Autos, dass sie im Bereich sich öffnender Türen liegen. Üblicherweise sieht die Planung einen Sicherheitsstreifen zwischen Radweg und Parkständen vor, damit niemand in eine Tür fährt. Wo er fehlt, bleibt dem Radfahrer die Wahl zwischen zwei Gefahren: im Streifen zu bleiben und eine Tür zu riskieren oder auszuweichen und die Fahrbahn zu nutzen, also genau das, wofür der Streifen angeblich existiert.

Nach Darstellung der Behörde ist das eine Radverkehrsanlage, und statistisch ist es das auch. Eine solche Markierung verbessert die Kilometerbilanz an Radinfrastruktur, ohne dass dafür Parkplätze entfallen oder Fahrbahnen schmaler werden müssten. Das erklärt, warum sie so verbreitet ist, nicht, warum sie sicher wäre.

Der Irrtum und die fehlende Kontrolle

Beide Probleme, der Abstand und die Dooringzone, haben dieselbe Struktur. Die Regel ist vorhanden: Die Türöffnenden haben auf nachfolgenden Verkehr zu achten, Überholende den Abstand einzuhalten. Es fehlt, dass jemand sie durchsetzt, und es fehlt Aufklärung darüber, dass die Linie nicht die Grenze des Zulässigen ist. Ein überholendes Auto, das den Abstand unterschreitet, wird praktisch nie gemessen, und wer eine Tür öffnet, ohne zu schauen, wird in der Regel erst dann belangt, wenn jemand gestürzt ist.

Damit trägt der Radfahrer das Risiko einer Anordnung, die auf dem Papier für seinen Schutz sorgt. Der Streifen vermittelt ihm eine Sicherheit, die sich aus der Linie ergibt und nicht aus dem Verhalten der anderen. Und er vermittelt den Autofahrern eine Gewissheit, die nicht stimmt: dass sie bis zur Linie fahren dürfen.

Was bleibt

Farbe ist billig, Platz ist es nicht. Ein Streifen, der entweder zu schmal für den vorgeschriebenen Abstand oder zu nah an den Türen ist, schützt niemanden, er legitimiert nur die Fahrbahnaufteilung. Wer Radverkehr ernsthaft sichern will, muss entweder Raum schaffen oder die Geschwindigkeit senken, und beides lässt sich nicht aufpinseln.

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