Kognitive Auslagerung im Bundestag: Satirische Studie zur Lobbyabhängigkeit

Eine Satire.

Berlin/Frankfurt. In einer Folgestudie zum viel diskutierten MIT-Experiment „Your Brain on ChatGPT“ haben Neurowissenschaftler der Charité erstmals die Gehirnaktivität von Bundestagsabgeordneten während realer Koalitionsverhandlungen gemessen. Die Ergebnisse sind beunruhigend.

Per mobilem EEG wurden 42 Abgeordnete verschiedener Fraktionen über acht Wochen in Ausschusssitzungen, Fraktionsgesprächen und Kamingesprächen überwacht. Die Forscher unterschieden drei Zustände: autonomes Denken, schwache Delegation (etwa an Fraktionsreferenten) und vollständige kognitive Auslagerung an externe Akteure.

Die Befunde sind eindeutig. Bei Kontakt mit Positionspapieren der Bertelsmann-Stiftung sank die Eigenaktivität im präfrontalen Cortex um durchschnittlich 73 Prozent innerhalb der ersten vierzig Sekunden. Bei Exposition gegenüber INSM-Mitteilungen trat der Effekt nach acht Sekunden ein. Den Rekord hielten persönliche Gespräche mit Allianz-Vorstand Oliver Bäte: Nach durchschnittlich 2,3 Sekunden war keine Eigenaktivität mehr messbar — die Testpersonen repetierten im Anschluss die Kernaussagen wortwörtlich, teils mit identischer Intonation.

Studienleiter Prof. Henning Weisbrot zeigte sich besorgt: „Die Neuronen der Probanden sind funktionstüchtig, werden aber nicht mehr genutzt. Vergleichbar mit einem Muskel, der jahrzehntelang nicht beansprucht wurde.“ Eine Subgruppenanalyse ergab, dass Abgeordnete mit Nebentätigkeiten in Aufsichtsräten noch schneller in den Auslagerungsmodus wechselten — vermutlich ein Trainingseffekt.

Die Bertelsmann-Stiftung wies die Studie in einer ersten Reaktion als „methodisch fragwürdig“ zurück und kündigte an, dazu ein eigenes Positionspapier zu erarbeiten. Es werde den Abgeordneten, hieß es aus Gütersloh, „zeitnah zur Übernahme bereitgestellt“. Ein Kommentar der Fraktionen war zunächst nicht zu erhalten — die Pressestellen baten um Geduld, die Antwort müsse noch beim zuständigen Verband angefragt werden.


Hinweis: Dieser Text ist eine Satire. Die geschilderte Studie existiert nicht. Die Realität, auf die sie anspielt, leider schon.

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