Pendlerpauschale, Bürgergeld, GKV: Wer zahlt wirklich?

Zwei Gesetzespakete der vergangenen Wochen wirken auf den ersten Blick zusammenhanglos. Bei genauerem Hinsehen folgen sie demselben Konstruktionsprinzip: Eine Aufgabe wird politisch als gesamtgesellschaftlich definiert, die Finanzierung dann aber so organisiert, dass die Last bei einer Teilgruppe landet, die keine Wahl hat. Zwei Lehrstücke aus dem Frühjahr 2026. Am 24. April beschloss der Bundestag den … Weiterlesen

Der Wagen war’s: Glosse zur Amokfahrt-Berichterstattung

Der graue VW Taigo ist am Montagnachmittag durch die Leipziger Innenstadt gefahren. Er ist auf den Augustusplatz eingebogen, hat beschleunigt, ist 500 Meter durch die Fußgängerzone gerast, hat zwei Menschen getötet und kam erst zum Stehen, als ihn ein versenkbarer Poller bremste — letzterer vermutlich ebenfalls aus eigenem Antrieb. So liest sich die Schlagzeile: „Auto … Weiterlesen

Kamera oder Polizist — wer schützt uns wirklich?Polizeipräsenz Sicherheitsgefühl Prävention

Felix Banaszak hat in einem Interview in der Süddeutschen-Zeitung einen bemerkenswert nüchternen Satz gesagt: Er wünsche sich an Bahnhöfen mehr Polizei. Er fühle sich dann sicherer. Das ist, für einen Grünen-Vorsitzenden, durchaus mutig. Aber es geht nicht weit genug. Denn es geht nicht um mehr Polizei an bestimmten Orten. Es geht um ein Verständnis davon, … Weiterlesen

Zuschauen ist nicht Sprechen: Was eine Studie über Gespräche für Medienkompetenz bedeutet

Eine Studie im Journal of Personality and Social Psychology hat kürzlich ein kleines Paradox vermessen: Menschen unterschätzen systematisch, wie sehr sie selbst ein Gespräch genießen werden — selbst dann, wenn sie das Thema vorab als langweilig einstufen. 1.800 Teilnehmer, neun Versuchsvarianten, stets dasselbe Ergebnis. Der Hauptbefund wird in den einschlägigen Wissenschaftsrubriken gerade als Trost für … Weiterlesen

868 Tote — und keine Folgen: Verkehrspolitik gegen die Schwächsten

Edo Reents hat in der FAZ nüchtern zusammengetragen, was in Deutschland niemand bestreitet, aber kaum jemand handelnd zur Kenntnis nimmt: 462 getötete Radfahrer und 406 getötete Fußgänger im Jahr 2025, zusammen 868 Tote unter denen, die Reents zutreffend „die Nackten“ nennt — Verkehrsteilnehmer ohne Knautschzone, ohne Airbag, ohne Rückenmassage. Bei Radfahrern ist das ein Plus … Weiterlesen

Stärken statt Defizite – ein anderer Blick auf Schule und Lernen

Ein Junge, der aufgehört hatte Er saß vor seinem Heft und schrieb nicht mit. Ich fragte ihn, warum. Die Antwort dieses Jungen hat mich nicht mehr losgelassen: „Ich habe eh alles falsch. Und dann muss ich zuhause wieder üben und kann nicht mehr spielen.“ Er hatte aufgehört. Nicht aus Faulheit. Nicht aus Trotz. Er hatte … Weiterlesen

Der Wal und die deutsche Gründlichkeit – eine Glosse

In Deutschland ist die Sache eigentlich klar geregelt – also zumindest vom Bundesverfassungsgericht her: Suizid ist erlaubt. Punkt. Ein Akt persönlicher Freiheit, gewissermaßen die letzte Bastion der Selbstbestimmung. Man könnte meinen, damit sei alles gesagt. Wäre da nicht die deutsche Realität, die bekanntlich selbst aus einem Punkt noch ein mehrseitiges Formular macht. Denn wer es … Weiterlesen

Dick, Doof und die Übung, die den Meister macht

Es muss Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre gewesen sein. Ich hatte einen kleinen Filmausschnitt besorgt, vermutlich auf einer Super-8-Rolle, später dann auf VHS. Zwei Minuten, nicht mehr. Stan Laurel und Oliver Hardy, in Deutschland als Dick und Doof bekannt, sitzen nebeneinander auf einer Bank. Stan klopft in rascher Abfolge Knie, Ohr und Nase … Weiterlesen

Flickwerk auf Raten — oder: Wie man ein System methodisch gegen die Wand fährt

Das Bundeskabinett hat das Beitragsstabilisierungsgesetz verabschiedet. Gesundheitsministerin Warken nennt es eine Reform. Es ist keines. Es ist das, was deutsche Sozialpolitik seit Jahrzehnten kennzeichnet: Lückenstopfen. Verschieben. Zeit kaufen. Das Finanzloch in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt 2027 über 15 Milliarden Euro, bis 2030 wächst es auf über 40 Milliarden. Das Gesetz schließt die Lücke für zwei … Weiterlesen

Schwarz auf Dunkelblau – warum Medienkompetenz im KI-Zeitalter neu gedacht werden muss

Es muss so um 2005 gewesen sein. Ein Gymnasiallehrer stellte in einer Schulveranstaltung die Ergebnisse seiner Computer-AG vor. Die Schüler hatten Präsentationen erstellt, Websites gebaut, Tabellen formatiert. Stolz. Funktional. Alles lief. Nur: Die Folien waren mit schwarzer Schrift auf dunkelblauem Hintergrund gesetzt. Man konnte praktisch nichts lesen. Ich fragte ihn, ob sie in der AG … Weiterlesen